
After the Fact - Dokumente und andere Spuren der Realität
Genau in dem Augenblick, als die Digitaltechnik der Fotografie zu neuer Geltung verhalf und die visuelle Kultur ein weiteres Mal explodierte und sich wandelte, erlebte die Technik der Dokumentation im Rahmen des Mediums Fotografie und der zeitgenössischen Kunst eine bemerkenswerte Renaissance. Allerdings war diese scheinbare neue Affirmation des Dokuments kein blinder Glaube an eine vereinfachende Mimesis oder eine nostalgische »Rückkehr des Realen«. Es war vielmehr eine Bekräftigung der Komplexität und Kraft der bildlichen Darstellung und der Art und Weise, in der fotografische Medien Vision und Welt miteinander verbinden.
In der Auseinandersetzung mit den aktuellen Ausprägungen dokumentarischer und erzählerischer Praxis zu Beginn des neuen Jahrtausends, in denen Fakten und Fiktion kunstvoll miteinander verwoben sind, kühle Analyse mit fieberhafter Begeisterung kombiniert wird und Informationen enge Beziehungen mit der Libido und Begierden eingehen, verbindet After the Fact die Kraft der zeitgenössischen Fotografie mit den globalen Fragen und aktuellen Krisen unserer Zeit.
Ein zentraler Aspekt der heutigen dokumentarischen Praxis liegt in der Vielfalt der unterschiedlichen Kontexte, in denen sie operiert. Tatsächlich begegnet man dem Dokument oder der dokumentarischen Arbeit auf allen visuellen Feldern der zeitgenössischen Kultur: in der populären Kultur, in den Print- und Fernseh- und Rundfunkmedien, im Internet, in der Filmindustrie und in der aktuellen Kunstszene.
In After the Fact stellen 30 Fotografen und Filmemacher fundamentale Fragen: wie ist Erkenntnis durch Fotografie möglich? Mit welchen Mitteln kann ein öffentlicher Diskurs heute fortgesetzt werden? Wo? Wie kann ein fotografischer Ausdruck neu konzipiert und reformiert werden innerhalb der heutigen Trägheit der globalen Medien?
Jan-Erik Lundström, Kurator der Ausstellung, Direktor des Museums Bildmuseet, Umea in Schweden